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Episode 103 Beate Sander: Aktienmillionärin, Bestseller-Autorin und ehemalige Realschullehrerin

In ihrem Hauptberuf war Beate Sander Realschullehrerin für die Fächer Wirtschaft und Sozialwesen. Eine Börsen-AG hat sie dazu gebracht, sich erstmalig praktisch mit Aktien zu beschäftigen. 

In diesem Interview sprechen wir mit ihr darüber, warum es sich lohnt, sich mit Aktien auseinander zu setzen – egal, ob man Anfang 20 oder Ende 50 ist. 

Das “erste Spielgeld” fürs Investieren kann man sich durch Konsumverzicht (“große Weihnachtsgeschenke weglassen”) oder auch durch ein Nebeneinkommen erarbeiten.

“Das größte Risiko ist es, gar kein Risiko einzugehen. Wer sein Geld auf dem Sparbuch anlegt, vernichtet schleichend sein Geld.”

Börsenexpertin Beate Sander

Warum haben wir Deutschen eine so ausgeprägte Angst vor Aktien? Verlustangst? Sicherheitsbedürfnis? Falsche Vorstellungen vom Aktienmarkt? Wie erklären Sie sich diese “Aktienphobie”? 

Beate Sander: Die bei Frauen besonders ausgeprägte Angst und Vorsicht führt zum Begriff „Angsthasenvolk“.

Aber sie wird ständig aufrecht erhalten und verstärkt durch die zahlreichen Untergangspropheten und die oft unsinnigen Ratschläge von Bankhäusern und vermeintlichen Experten, im Crash und Mai all seine Aktien zu verkaufen und im Alter seinen Aktienanteil erheblich zu reduzieren

Als Lehrerin haben sie, Frau Sander, sich ihr ganzes Leben theoretisch mit Aktien beschäftigt – als Realschullehrerin für die Fächer Wirtschaft und Sozialwesen. Sie haben in der Schule auch eine Börsen-AG angeboten. Wie wurde dieser Kurs von den Schülern angenommen?

Beate Sander: Die Schüler waren begeistert, zumal damit der Besuch von Fernsehsendern und Magazinen wie BÖRSE ONLINE und sehr erfolgreiche Teilnahme an Börsenspielen damit verbunden war.

Sie finden es traurig, dass es so viele gibt, die sich nicht an Aktien herantrauen. Relativ spät fingen Sie mit 59 Jahren an zu investieren – und sind heute Börsenexpertin und Autorin von mehr als 50 Fachbüchern und Aktienmillionärin. Warum haben Sie sich so spät erst an Aktien gewagt? Und wie haben sie es geschafft, ihr Geld zu schnell zu vermehren? 

Beate Sander: Ich hatte vorher kein Geld, weil ich nie etwas erbte, meine Eltern finanziell mit unterstützen musste, meine beiden tüchtigen Kinder den Universitätsabschluss ermöglichte und ein kleines Reihenhaus finanzierte.

Es gab weder Kindergeld, noch Baukostenzuschuss oder Elternzeit. Ich habe frühzeitig meine Hoch/Tief-Mutstrategie erfunden, diese erprobt, weiter entwickelt, optimiert – immer diszipliniert, leidenschaftlich, geduldig.

Gibt es überhaupt ein “zu spät”? Dies Frage ist besonders für die 50- bis 64-Jährigen interessant, denn diese zeigen laut Umfragen ein geringes Interesse für die Börse. Dabei besitzt diese Altersgruppe in Deutschland den weitaus größten Teil aller Spareinlagen. Wie könnte man dieser Gruppe das Anlegen schmackhaft machen? 

Beate Sander: Die Erfolgsformel beginnt mit dem Lesen guter Fachbücher, vom Buch zum Internet, vom Internet zum eigenständigen Onlinehandel.

Börse ist kein Kindergeburtstag und keine Spaßaktion, sondern ist mit Mühe und Arbeit verbunden und vor allem mit Lernprozessen.

Lernen und Arbeiten sollte nicht immer nur als etwas Unangenehmes und Schreckliches dargestellt werden!

Wer heute noch eine durchschnittliche Rentenbezugsdauer von 25 bis 30 Jahren hat, für den ist es auch mit Beginn des Ruhestands zwar spät, aber nicht zu spät.

Was würden Sie einer 50-Jährigen empfehlen? Wie sollte der Einstieg aussehen, vor allem in Hinblick auf nicht vorhandene Spareinlagen. Könnte ein Nebeneinkommen helfen? Wären ETFs ein “softer” Einstieg? 

Beate Sander: Der richtige Rat hängt immer vom Risikoprofil, vorhandenem Börsenwissen, Zeit, Lust und vor allem der Vermögensdecke und den finanziellen Verpflichtungen und Erwartungen ab.

Bei kleinem Geldbeutel sind auch Sparpläne hilfreich. Und man sammelt erst Erfahrungen am besten mit ein paar erstklassigen ETFs.

Wie wir nun wissen, haben die Deutschen „ein gespaltenes Verhältnis zur Geldanlage am Kapitalmarkt“. Sie halten die Börse einerseits interessant, andererseits halten sie für so riskant wie ein Spielcasino. Sie fürchten „unkontrollierbare Risiken“ und würden Geld nur mit Kapitalgarantie an der Börse anlegen. Was kann der Staat machen? Könnte eine staatliche Förderung das Interesse an einer Aktienanlage erhöhen? Oder will der Staat vielleicht gar nicht, dass die Leute in Aktien investieren? 

Beate Sander: Unser Staat könnte helfen, tut es aber nicht. Ganz im Gegenteil: Jetzt soll ab 2021 auch noch eine Aktientransaktionssteuer erhoben werden.

Zocken mit Hebelzertifikaten und ähnliches soll nicht mit einer Extrasteuer belastet werden, also das Gegenteil von Förderung der Aktienkultur. 

Wer breit streut, langfristig anlegt, erstklassige internationale Aktien, vor allem fair bewertete Dividendenstars kauft, geht keine unkontrollierbaren Risiken ein. Kapitalgarantie kann und darf es nicht geben.

Aber das höchste Risiko ist heute, gar kein Risiko eingehen zu wollen. Also weg vom schleichenden Kapitalvernichter Sparbuch.

Sie sind eine gefragte Rednerin zum Thema Geldanlage an der Börse. Was sind die typischen Fragen, die ihnen Leute während oder nach den Vorträgen stellen? Wie unterscheidet sich ihrer Erfahrung nach die Mentalität von “Börsenfans” und “Sparbuchfans”? 

Beate Sander: Die häufigsten Fragen sind heute die nachhaltige Geldanlage im Kampf gegen den uns bedrohenden Klimawandel und eine kluge Geldanlage in den Zeiten des demographischen Wandels mit dem um zwei Jahre längeren Leben im Schnitt um ein Jahrzehnt.

Ob Börsen- oder Sparbuchfans, hängt auch von Bildung, Erziehung, eigenen Erfahrungen, überholten Vorurteilen und Herdentrieb ab.


Im Moment sprechen viele über Frugalismus und Minimalimus – also das Eindämmen von Konsum als Lebensphilosophie. Sehen Sie dies als unabdingbaren Baustein auf dem Weg zum Reichtum? 

Beate Sander: Richtiges Sparen ist mit einem gewissen Konsumverzicht verbunden, sollte aber nicht so stark übertrieben werden, dass darunter die Lebensfreude leidet.

Wer beim Ausverkauf 70% Rabatt bekommt, spart nichts, wenn er die Sachen nicht dringend braucht, sondern gibt 30% unnütz aus.

Die Hälfte der Kleidungsstücke in deutschen Kleiderschränken wird nie getragen!


Wenn Sie noch mal 20 wären: Was würden Sie anders machen? Was würden Sie heute 20-Jährigen in Sachen Geldanlage empfehlen? 

Beate Sander: Unter den gegebenen Umständen hätte ich wohl kaum etwas besser und anders machen können. Wäre ich so behütet aufgewachsen wie meine Kinder und Enkel, wäre mein Leben ganz anders verlaufen.

Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt die Früchte meines großen Arbeitspensums ernte.

Ich vergleiche mich mit einem fachkundigen Gärtner, der zur genau richtigen Zeit säen und pflanzen muss, um eine gute Ernte einzufahren.

SHOWNOTES:

Beate Sander hat viele wichtige Bücher über die Börse und das Investieren geschrieben. Die hier als Affiliate-Link (keine zusätzlichen Kosten für euch, dafür über eine Provision für Nein2Five) präsentierten Bücher sind von der Autorin für euch ausgewählt.

Hashtag dieser Episode: #925beatesander

Danke fürs Zuhören!

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