Episode 228 Ist Finanzielle Bildung wirklich ein Allheilmittel?

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Warum kommt finanzielle Bildung in Deutschland nicht auf den Stundenplan? Möchte der Staat nicht, dass seine Verschuldungspolitik durchschaut wird? Möchte die Politik nicht, dass Menschen sich finanziell frei machen vom Staat?

Nein2Five

In dieser Folge unseres Finanzpodcasts für den Feierabendboss sprechen wir wieder über das Thema Geldbildung.

Jüngst schauen viele nach Florida. Der US-amerikanische Bundesstaat wird finanzielle Bildung per Gesetz in die Schulen bringen. Im Vereinigten Königreich ist schon seit 2014 der Unterricht über persönliche Finanzen im gesamten Schulsystem obligatorisch. 

Trivia: Die Länder mit der höchsten Finanzkompetenz sind Australien, Kanada, Dänemark, Deutschland, Finnland, Israel, die Niederlande, Norwegen, Schweden und das Vereinigte Königreich, wo etwa 65 Prozent oder mehr der Erwachsenen über finanzielle Kenntnisse verfügen. Am anderen Ende des Spektrums finden sich in Südasien die Länder mit den niedrigsten Werte für Finanzwissen, wo nur ein Viertel der Erwachsenen – oder weniger – über finanzielle Kenntnisse verfügen.

Wie wird diese finanzielle Kompetenz gemessen? In einer Befragung werden die folgende Konzepte abgefragt (Quelle: S&P FinLit Survey 2014):

RISIKODIVERSIFIZIERUNG

Angenommen, Sie haben etwas Geld. Ist es sicherer, Ihr Geld in ein einziges Unternehmen oder eine einzige Anlage zu investieren, oder ist es sicherer, Ihr Geld in mehrere Unternehmen oder Anlagen zu investieren?

INFLATION

Angenommen, in den nächsten 10 Jahren verdoppeln sich die Preise für die Dinge, die Sie kaufen. Wenn sich Ihr Einkommen ebenfalls verdoppelt, können Sie dann weniger kaufen als heute, genauso viel wie heute oder mehr als heute?

RECHNEN (ZINSEN)

Angenommen, Sie müssen sich 100 US-Dollar leihen. Welches ist der niedrigere Betrag, den Sie zurückzahlen müssen: 105 US-Dollar oder 100 US-Dollar plus drei Prozent?

ZINSESZINS

Angenommen, Sie legen Ihr Geld für zwei Jahre bei der Bank an und die Bank erklärt sich bereit, Ihrem Konto 15 Prozent pro Jahr auf Ihr Konto einzuzahlen. Wird die Bank im zweiten Jahr mehr Geld auf Ihr Konto einzahlen als im ersten Jahr, oder wird sie in beiden Jahren den gleichen Betrag einzahlen? 

Angenommen, Sie haben 100 US-Dollar auf einem Sparkonto und die Bank zahlt jährlich 10 Prozent pro Jahr auf das Konto. Wie viel Geld würden Sie nach fünf Jahren auf dem Konto haben, wenn Sie kein Geld von dem Konto abheben würden?

Eine Person wird als finanziell gebildet definiert, wenn sie mindestens drei der vier oben beschriebenen Finanzkonzepte richtig beantwortet.

Für die meisten unserer Zuhörer wird die Beantwortung dieser Fragen ein Kinderspiel sein.

Die Tatsache, dass finanzielle Bildung in unseren Schulen NICHT unterrichtet wird, sagt etwas aus.

Der Staat sollte an mündigen Bürgern interessiert sein, die zu einem eigenen Urteil und selbstständigen Entscheidungen fähig sind. 

Auch zum Schutz von schlechten Anlageempfehlungen von vermeintlichen Experten in zweifelhafte Geldanlage-Produkte. Und wenn die finanzielle Bildung am Ende einen die richtigen Fragen stellen lässt, dann wäre schon viel gewonnen.

Also, finanzielle Bildung ist Verbraucherschutz!

Ein paar Fakten:

45% der Eltern sind besorgt, dass ihre Kinder Schulden machen.

Junge Erwachsene  18 – 24 Jahre:
70% geben ihr Geld sofort für Konsum aus.
70% haben bereits Spiel-Erfahrungen gesammelt.

Diese Altersgruppe ist am gefährdetsten, Kredite mit hohen Zinsen aufzunehmen.

Die Aufnahme der finanziellen Bildung in den offiziellen Lehrplan wäre eine gute Möglichkeit, eine ganze Generation auf breiter Ebene zu erreichen.  

Es ist ein Mittel künftigen Erwachsenen eine solidere Finanzkultur und ein solideres Finanzverhalten zu vermitteln und zu fördern. Dies ist besonders wichtig, da jetzige Eltern noch nicht der Lage sind, ihren Kindern solide finanzielle Gewohnheiten zu vermitteln.

Die Ausnutzung der Unerfahrenheit im Umgang mit Geld und Vermögen wird schwerwiegende Auswirkungen haben. Für den Einzelnen genauso wie für die Gesellschaft.

Eine Gesellschaft, in der die private Altersvorsorge und Vermögensbildung immer wichtiger wird, kann sich Dummheit in Geld-Dingen einfach nicht leisten. Denn früher oder später wird das Fehlverhalten vieler Einzelner gesamtgesellschaftlich zu spüren und vor allem zu zahlen sein. Vom einfachen Privatvermögen über mittelständische Betriebe bis hin zum Kapital einer ganzen Familiendynastie. 

So lange aber Schüler und Studenten als totale Analphabeten des Geldes (Hans Kühn) ins Leben entlassen werden, ist es leicht, die Menschen davon abzulenken, über das wahre Wesen des Geldes und das nahende Ende der ungedeckten Papiergeldzeit nachzudenken.

Allerdings stellt sich die Frage, mit welchen Konzepten finanzielle Grundbildung vermittelt werden kann. 

Im Sozial- und Wirtschaftskundeunterricht hören Schülerinnen und Schüler auch häufig etwas von Inflation und Kaufkraft, aber der Bezug zu ihrer Lebensrealität bleibt oft verborgen.

Prof. Dr. Matthias Sutter von der Uni Köln hat in einer Studie beobachtet, dass der Unterricht zur finanziellen Grundbildung zu einer leichten Zunahme von Risikoaversion führte, das heißt, die Probanden trafen insgesamt weniger risikoreiche Entscheidungen. 

Insgesamt bestätigte sich demnach die Erwartung, dass finanzielle Grundbildung ökonomische Präferenzen verändert. Und genau das, ist der Grund dafür, warum sich finanzielle Grundbildung vorteilhaft auf das finanzielle Entscheidungsverhalten im Alltag auswirkt.

SHOWNOTES:

Hier sind zwei Artikel zu dem neuen Gesetz, das in Florida verabschiedet worden ist:

https://www.foxbusiness.com/lifestyle/new-florida-law-requires-high-school-students-to-take-financial-literacy-course

https://www.tampabay.com/news/education/2022/03/28/floridas-new-financial-literacy-law-was-years-in-the-making/

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2 comments on “Episode 228 Ist Finanzielle Bildung wirklich ein Allheilmittel?

  1. Mirko sagt:

    Hallo zusammen,

    ein wichtige Episode! Danke!

    Ein Staat wie die Bundesrepublik braucht geradezu finanzielle Analphabeten!

    Denn der Souverän wird auf diese Weise garantiert nicht lästig. Aus meiner Zeit als Referent für einen Haushälter im Bundestag weiß ich noch, wie entspannt es war, dem Bürger nie, aber auch wirklich nie (!) Rede und Antwort stehen zu müssen.

    Hierzulande regen sich alle über alles mögliche auf; aber es befasst sich niemand mit den Einzelplänen der Bundesministerien und dem Treiben im Königsausschuss des Bundestages (dem eigentlich mächtigsten Gremium im Parlament).

    Die Herrschaften können dort im Wesentlichen völlig unbehelligt machen, was sie wollen. Das Wahlvolk interessiert es nicht. Der Grund für dieses Desinteresse ist sehr einfach: Interesse bildet sich nur dort, wo es wenigstens grundlegende Kenntnisse gibt; nur dort entsteht der Wunsch, auf diesem Boden profunderes Wissen keimen zu lassen.

    Ist das alles Absicht? Gibt es gar eine Verschwörung der Politik zur Verhinderung finanzieller Bildung?

    Wohl kaum; denn unser Bildungssystem zielt ohnehin darauf ab, Untertanen zu schaffen. Da käme niemand auf die Idee, junge Menschen finanziell zu bilden. Darin sind sich übrigens Sozialisten und Konservative einig – schließlich ist allen klar, dass finanziell gebildete Bürger immer auch mündige Bürger wären, und die werden lästig.

    Was würde sich ändern, wären breite Maßen in Germany finanziell gebildeter? – Neben all den privaten Vorteilen (vernünftiger Umgang mit privaten Finanzen und souveränen Konsumentscheidungen) würden die Bürger sich vielleicht nicht mehr so einfach abspeisen lassen mit Erklärungen, die in Wahrheit keine sind.

    Es genügte schon, etwas Wissen zu haben, um Ungereimtheiten zu entdecken. Nur Desinteresse und Unbildung machen den Haushaltsausschuss intransparent – der Schleier des Mysteriums (Staats-)Finanzen besteht je eigentlich nur daraus.

    Es grüßt
    Mirko

    1. Christian Schmid sagt:

      Hallo Mirko!

      Vielen Dank für deinen Kommentar, der uns hinter die Kulissen schauen lässt. Ja, es stimmt, finanziell gebildete Bürger wären lästig und würden sich vermutlich auch nicht mehr von ideologischen Zirkusnummern ablenken lassen. Tatsächlich braucht ein Mensch garnicht besonders viel Geldbildung, um bestimmte politische Projekte als Nullnummer zu entlarven. Leider sind auch die meisten Journalisten kaum finanziell gebildet und so trauen auch sie sich nicht zu, die relevanten Fragen zu stellen.

      Ich muss oft an einen Artikel in der ZEIT denken. Vor einigen Jahren hatte der CDU-Mann Merz vorgeschlagen, die Aktienrente von der Besteuerung zu befreien. Unter dem Artikel gab es ungefähr 2000 Kommentare und diese bezogen sich zu über 90% auf die Charaktereigenschaften des Politikers. Offenbar hatten die Leser garnicht begriffen, dass es in ihrem Interesse wäre, auf Aktienrenten keine Steuern zu zahlen. Solche Diskussionen erlebe ich häufig, im Moment auch bei dem Thema Inflation.

      Hoffen wir mal, dass die sozialen Medien, YouTube und Podcasts dazu beitragen, dass immer mehr Bürger lernen, das „Mysterium Finanzen“ zu entmystifizieren…

      Schöne Grüße aus Köln

      Christian

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