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Episode 239 Altersarmut vs. Jugendarmut: Warum sind die jungen Deutschen so arm? 

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Ist es die Lifestyle-Inflation oder sind es die hohen Abgaben? Die jungen Deutschen sind auf jeden Fall ärmer als fast alle anderen Europäer!

Nein2Five

Mit der dritten Folge unserer Podcast-Reihe zu Finanzklischees und kollektiven Glaubenssätzen vertiefen wir die Frage, ob Deutschland wirklich ein reiches Land ist. Inspiriert hat uns dabei der Kommentar unseres Hörers Mirko. Er hat auf eine Statistik hingewiesen, nach der das Median-Nettovermögen der 16 – 34jährigen in Deutschland nur 9.600 Euro beträgt. Im europäischen Vergleich sind wir damit auf dem drittletzten Platz.

Wie kann das sein, wo doch das gesamte Privatvermögen in Deutschland bei 16,4 Billionen Euro liegt. Offenbar sagt diese absolute Zahl wenig über die Verteilung des Geldes in der Gesellschaft aus – und auch nichts über den Vergleich zu anderen EU-Staaten.

In dieser Episode spekulieren wir über mögliche Ursachen dieser bitteren Situation. Liegt es am Konsumverhalten der jungen Menschen, an den hohen Abgaben und Energiekosten? Fehlen die staatlichen Anreize, ein Vermögen aufzubauen?

SHOWNOTES:

In der Episode 235 „Deutschland ist ein reiches Land!“ beschäftigen wir uns mit einem weiteren Finanz-Mythos.

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2 Comments on “Episode 239 Altersarmut vs. Jugendarmut: Warum sind die jungen Deutschen so arm? 

Mirko
26. Juni 2022 um 16:32

Hallo zusammen,

die Summe von 9.600,00 Euro geht unter die Haut. Denn sie besagt, dass etwa die Hälfte der Alterskohorte von 16 bis 34 nach 34 Jahren nur noch etwa 30 Jahre hat, um eine private Altersvorsorge aufzubauen, die der Staat zukünftig nicht einmal mehr zu 60 % wird abdecken können (Stichwort Rentenlücke). Aber wie sollten die Betroffenen dies dann bewältigen, wenn sie es zuvor nicht geschafft haben, auf zum Beispiel 100.000 Euro in ETF-Vermögen zu kommen oder eine eigene Immobilie zum Vermieten zu erstehen? Den Zinseszins-Effekt vorausgesetzt, fehlen schon jetzt die wichtigsten Jahre des Vermögensaufbaus.

Konsum, YOLO, Steuern und Abgaben, ein riesiger deutscher Niedriglohnsektor – all das sind Gründe, die mir auch eingefallen sind, um diese Zahlen zu verstehen. Interessanterweise korreliert (behaupte ich) die statistische Tatsache des Medianvermögens, bei dem sich Deutschland an drittletzter Stelle befindet, mit dem zweithöchsten Steuer- und Abgabenaufkommen (Belgien ist Spitzenreiter, aber mit weitaus höherem Medianeinkommen!). Da kann man schon schlussfolgern, dass es sich aus dem Netto in Deutschland schwerer für das Alter sparen lässt.

Laut dem Statistik-Portal de.statista lag das Brutto-Durchschnittsgehalt 2020 in Deutschland bei rund 3.092,00 Euro (netto 2.084,00 Euro), was im europäischen Vergleich wiederum ordentlich ist. Insbesondere Paare mit doppeltem Einkommen fahren hier recht gut. Sieht man von Niedriglöhnern (Fleischereibetriebe, Putzfirmen, Bau etc.) einmal ab, sollte einem Vermögensaufbau eigentlich bei guter Sparquote mit diesem Durchschnittseinkommen nichts im Wege stehen. Tatsächlich leben aber an dieser Stelle die meisten Arbeitnehmer über ihre Verhältnisse, wie ihr ja in eurer Sendung immer wieder betont. Warum?

Meines Erachtens gibt es hier eine mentale Barriere, die Durchschnittsverdiener in Deutschland arm im Alter und arm an Vermögen in toto bleiben lässt: Sie alle verlassen sich auf Vater Staat, der es schon richten wird. D.h. die eigene Altersvorsorge wird getreu diesem Untertanengeist ausgelagert, so als würde das Mutti Angela oder Vati Olaf schon für einen regeln. Darum kann man sich kindsköpfig auf das Verjubeln des eigenen Taschengeldes (=Nettoeinkommen) konzentrieren, denn das andere, das Unangenehme, das regelt der allmächtige Staat für einen. Wenn dann Opa Norbert noch einmal beim Kaffeetrinken am Sonntagnachmittag beschwört, das die Renten sicher sind? Hey, was soll da noch schiefgehen!? Auf nach Sankt Moritz! Prösterchen, darauf noch einen Möet und eine neue Prada-Tasche!

Es grüßt
Mirko

Quelle:
https://de.statista.com/themen/293/durchschnittseinkommen/#topicHeader__wrapper

Antworten
Christian Schmid
28. Juni 2022 um 9:52

Hallo Mirko!

Sehr interessant, bei dieser Frage noch etwas tiefer zu bohren. Welche Lebensverhältnisse und Mentalität jenseits der Statistik liegen… Ich fürchte auch, dass das Vertrauen in Vati und Mutti so enorm ist, dass die Altersvorsorge gerne dorthin ausgelagert wird. Die Rentenlücke wird ja auch in den Medien und in der Politik nicht breit diskutiert. Unsexy. Es ist aber auch bequemer, daran zu glauben, dass der Staat es schon regeln wird. Denn die Alternative, Eigenverantwortung, ist anstrengend. Konsumverzicht und Investieren erfordert mentale Disziplin und eine hohe Frustrationstoleranz. Nicht jedermanns Sache.

Vielen Dank für deinen wieder sehr interessanten Input!

Sonnige Grüße aus Köln

Christian

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